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Die subtile Rolle der Medien im Vorkonklave

(gloria.tv/ KNA) Nachdem das Kardinalskollegium die US-amerikanischen Kardinäle seit Mittwoch zum Schweigen gebracht hat, geben in Rom wieder die italienischen «Vaticanisti» den Ton an. Von Ludwig Ring-Eifel (KNA).

Elegant und routiniert unterlaufen sie die Verschwiegenheits-Appelle von Angelo Sodano (Dekan) und Tarcisio Bertone (Camerlengo). Sie nutzen ihre gut vernetzten Kontakte ins engste Umfeld des Kardinalskollegiums, und kein Erlass kann sie ausbremsen.

So wusste der meist gut informierte Vatikanist der Turiner «Stampa», Andrea Tornielli, am Donnerstag zu berichten, welche italienischen Kardinäle am Mittwoch hinter verschlossenen Türen das Wort ergriffen und was sie gesagt hatten. Und die «Repubblica» befeuerte die beim Vorkonklave schwelende Debatte um die «Vatileaks»-Affäre mit dem alten Kunstgriff italienischer Vatikankorrespondenten, unüberprüfbare Äußerungen eines namentlich nicht genannten Kurienmitarbeiters als «Interview» zu veröffentlichen.

Noch in den ersten beiden Tagen des Vorkonklaves hatten die amerikanischen Kardinäle mit eigenen Presse-Briefings im «North American College» in Vatikannähe die Medienberichterstattung teilweise dominiert. Dieses Auftreten wiederum brachte neben den Kurialen und den Italienern auch einige lateinamerikanische Kardinäle in Rage. Denn mit ihren gut organisierten Sonder-Briefings hatten sich vor allem der New Yorker Kardinal Timothy Dolan und der Bostoner Sean O'Malley in den Vordergrund geschoben und die Herzen vieler Journalisten erobert. Dies wiederum hatte sich in Medienberichten niedergeschlagen, die auch von den konkurrierenden Kardinälen gelesen wurden.

Seit dem «Maulkorb» für die Amerikaner ist nun wieder das vatikanische Pressebriefing die offizielle Bühne des Vorkonklaves. Detailliert und geduldig antwortet hier täglich Vatikansprecher Federico Lombardi auf die Fragen der internationalen Journalisten und setzt damit neue Maßstäbe an Transparenz in der kirchlichen Medienarbeit. Zugleich achtet er strikt darauf, keine inhaltlichen Details der Kardinalsversammlungen preiszugeben.

Mit dieser «diskreten Information» folgt der Vatikan auch im digitalen Zeitalter einer Linie, die er seit Beginn des 20.
Jahrhunderts eingeschlagen hat. Zentrales Anliegen ist es, die Papstwahl von äußeren, insbesondere politischen Einflüssen freizuhalten.

Solche Einflüsse waren vom 16. bis ins späte 19. Jahrhundert an der Tagesordnung. Noch 1903 hatte Österreich-Ungarn ganz offiziell ein Veto gegen einen Papstkandidaten eingelegt, der als zu frankreichfreundlich galt. Als Reaktion darauf verfügte Pius X., dass ein Kardinal, der sich im Konklave zum Handlanger fremder Mächte macht, sofort exkommuniziert ist. Seither hat es zumindest offiziell keine staatliche Einflussnahme mehr gegeben.

Trotzdem spielen politische, gesellschaftliche und mediale Gegebenheiten bei jedem Konklave im Vorfeld eine wichtige Rolle. Denn anders als beim Konklave selbst, wo den Wählern sowohl Mediennutzung als auch Journalistenkontakte strikt untersagt sind, ist beides im Vorkonklave fast unvermeidbar. So konnten etwa 2005 die Teilnehmer der Generalkongregationen den am Vatikan lauernden Journalisten schon frühzeitig signalisieren, dass es eine starke Stimmung für den damaligen Kardinaldekan Joseph Ratzinger gab. Über dieses Geraune berichteten Zeitungen, die wiederum von den Kardinälen gelesen wurden. Die Wahlchancen Ratzingers hat dies damals positiv verstärkt.

Einen weiteren Kontakt mit der Außenwelt haben die Kardinäle auch dann, wenn sie die Tage in Rom nutzen, um ihre sogenannten Titelkirchen besuchen. Die meisten sind zugleich normale Pfarrkirchen, und so haben die Papstwähler Gelegenheit, dort die «vox populi» (Stimme des Volkes) zu hören, die ihrerseits mehr oder weniger stark von den Informationen der Medien beeinflusst ist.
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Eremitin

@singular

singular

@Eremitin
Das ist natürlich nachvollziehbar! Ich denke, wir werden umfassend über alles unterrichtet werden, besonders hier im gloria.tv!

Eremitin

lieber Singular,ich will kein Glotzophon mehr...mir genügt das Internet! Außerdem stört mich so ein Kasten in meiner liebevoll eingerichteten Wohnung aber jeder entscheidet,wie er mag...ja es wird superspannend-und bei meiner Freundin kann ich auch mal "gucken",lol

singular

@Eremitin
Also das sollten sie noch einmal überdenken, liebe Eremitin!
Das Fernsehen möchte ich nicht missen, das handy schon!
Und selbst auf das Internet könnte ich zur Not verzichten.
Man kann ja wählen!
Sender wie Phönix, arte, 3SAT, NTV, N24 bringen jeden Tag
hochinteressante Berichte zu allen Bereichen des Lebens.
Dort erfährt man dann Dinge, von denen man ( ich ) noch nichts
gewusst hat ( habe ).
Und selbst ARD und ZDF, aber meistens erst sehr spät, wenn der
normale, in Arbeit stehende Mensch schon schläft. Ist das Absicht?
Ein Schelm wer Böses dabei denkt!
Ansonsten liebe ich Bücher, es geht nichts über Bücher. Das Internet
ist in keinster Weise ein Ersatz für Bücher, höchstens eine Ergänzung !
Jetzt ist mir ein Buch in die Hände gefallen, das ich jedem hier
empfehlen kann.
Es heisst: "Spione im Vatikan! Die Päpste im Visier der Geheimdienste".
v. W.Kaltefleiter und H.P. Oschwald,
Pattloch Verlag, München, 2006
ISBN-13:978-3-629-02126-7
Es liest sich spannender als jeder Krimi!
Die Wirklichkeit ist halt durch nichts zu toppen!
Und somit passt es vielleicht zur gegenwärtigen Situation im Vatikan,
die voll knisternder Spannung ist, angesichts der bevorstehenden Papstwahl!

Eremitin

Es gibt Tausende guter und eifriger konservativer Katholiken,die aber nie eingeladen werden und die mundtot sind. Die Medien laden grundsätzlich nur Mitglieder der "Kellerkirche" ein,des ZDK und dann die Solitäre: Küng,Heinemann,Drewermann....aber die vertreten ja nicht den normalen Katholizismus,sondern eben ihren eigenen. Sie werden auch im öffentlich rechtlichen TV wieder das Konklave kommentieren,als Gesprächspartner an den kleinen runden Tischchen stehen und die schwache Bevölkerung ,die aus abgefallenen,andersgläubigen und lauen Katholiken besteht,klatscht ihnen Beifall,denn sie repräsentieren ja die katholische Kirche. Danke Herr Freienstein für den guten und mutigen Brief.
Ich bin wieder mal froh,das TV-Gerät dem Sperrmüll geschenkt zu haben und werde mir über einen der guten kirchlichen Privatsender hier im net alles genau anschauen. Ohne die Altvorderen ......ach wie schön,dass hier jeder weiß,dass ich auch in Wahrheit" Fundi" heiß.. übrigens mit meinen katholischen Freunden und meinen Mit-Kirchgängern und unseren Priestern -alles eine Meinung,nur uns fragt keiner!

ja, aber man könnte doch dazu auch Obama einladen...das macht Schmidberger dann glaubwürdiger!

vir probatus

Skurillitäten ?
Als was auch bitte sonst ?
Eher schlimmeres.
Was sollte denn Schmidberger in einer Talkshow ?
Seine Forderungen nach der Todesstrafe bekräftigen ?

Naja, die Öffentlich Rechtlichen sind ja allerhand gewohnt; sie werden auch diese Mail unter "Skurillitäten" einordnen und den Schreiber als "nicht integrierbar" verbuchen. Solche Spezies gibts nun mal in allen Epochen der Zeit...

gerdich

Die Kardinäle sollen sich genau informieren, wen sie zum Papst wählen.
WikiLeaks, der Tod von JP1, das Attentat auf JP2, Homosexualität im Vatikan, der volle Text des 3. Geheimnisses von Fatima.
Der ehemalige Papst kann ihnen keinen Verbote mehr auferlegen.
Ohne dieses Wissen ist eine Papstwahl fahrlässig.
Der Augiasstall muss ausgemistet werden, ohne Rücksicht auf den Respekt vor V2.
Wenn die römischen Behörden nicht in der Lage sind den Laden zu säubern, sollen die ausländischen Kardinäle die Gunst der Stunde nutzen den Vatikan wieder auf Vordermann zu bringen.