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Sel. Charles de Foucauld (1858-1916), Eremit und Missionar in der Sahara.
Sel. Charles de Foucauld
Priester, Mönch, Missionar,
* 15. September 1858 in Straßburg in Frankreich
† 1. Dezember 1916 in Tamanrasset in Algerien
Charles Eugène Vicomte de Foucauld wurde am 15. September 1858 in Straßburg als Sohn einer reichen französischen Adelsfamilie geboren. Seine fromme Mutter führte ihn früh mit einfachen Mitteln in den christlichen Glauben ein. Doch schon bevor er sechs Jahre alt wurde, verlor er in einem Jahr beide Eltern. Der Verlust verwundete ihn tief. Der gütige, aber schwache Großvater übernahm die Erziehung des Jungen und seiner Schwester Marie. Zeitweise lebte er auch im Haus seiner Tante Inès Moitessier, wo sich seine acht Jahre ältere Kusine Marie seiner annahm. Die intelligente und tiefgläubige junge Frau, die täglich die Messe besuchte, übte einen nachhaltigen Einfluss auf das Kind aus. Die Erstkommunion 1872 beging Charles "sehr fromm". Doch bald darauf holte ihn das Trauma seiner Kindheit ein, die Pubertät tat ein Übriges: Durch ausgedehnte Lektüre, u.a. Voltaires, wurde sein Glaube erschüttert, er entfernte sich schrittweise von Gott; die Heirat seiner geliebten Kusine 1874 traf ihn zusätzlich, er fühlte sich von ihr verlassen und kehrte sich völlig von "ihrem" Glauben ab.
Charles schlägt die Militärlaufbahn ein, aber auf der Militärakademie verbringt er sein Leben in Trägheit und Gleichgültigkeit. 1878 stirbt sein Großvater, sein letzter Halt. Im selben Jahr kann er frei über sein Erbe verfügen und stürzt sich in ein ausschweifendes Luxusleben. Doch innerlich quälen ihn Unruhe und Traurigkeit. 1880 wird sein Regiment nach Nordafrika entsandt; Charles nimmt sich seine Geliebte mit und wird deswegen 1881 aus dem aktiven Dienst entlassen. Im selben Jahr noch bittet er aber um seine Wiederaufnahme, um seinen Kameraden beizustehen, die in schwere Kämpfe verwickelt sind; nun zeigt er sich als heldenhaften Kämpfer, der Entbehrungen tragen kann. Danach bleibt er in Algerien, lernt Arabisch und bereitet sich auf Forschungsreisen in Nordafrika vor. Die Weite der Wüste beeindruckt ihn, die Araber und ihre unbedingte Gläubigkeit, ihre Hingabe an Gott faszinieren ihn. Zwischen 1883 und 1884 bereist er Marokko, ein damals für Christen verbotenes Land. Sein Reisebericht "Reconnaissance au Maroc" ("Erkundung Marokkos") wird 1885 fertig (erscheint aber erst 1888). Inzwischen hat er seine Kusine wiedergetroffen, schließt sich der Familie wieder an, sein Leben gewinnt Festigkeit. 1886 bezieht er eine Wohnung in Paris, nicht weit von der Familie Moitessier und seiner Kusine. Noch ohne Glauben, sehnt er sich nach strenger Moral, nach Keuschheit. Das Beispiel seiner ebenso intelligenten wie gütigen Kusine vor Augen, beginnt er zu erkennen, "dass diese Religion vielleicht doch kein Unsinn sei". Er beginnt zu beten: "Mein Gott, wenn es dich gibt, lass mich dich erkennen." Ein heiligmäßiger Priester, Abbé Huvelin, von dem er im christlichen Glauben unterrichtet werden möchte, fordert ihn stattdessen zum Beichten und zur anschließenden Kommunion auf. Charles de Foucauld folgt - und ist von diesem Augenblick an - es war Ende Oktober 1886 - bekehrt. Fortan will er nichts als Jesus nachfolgen, "der stets den letzten Platz einnahm."
Vier Jahre später trat er in den Trappistenorden ein, der ihn nach Syrien und dann nach Algerien entsandte, schließlich nach Rom zum Theologiestudium, doch Foucauld strebte nach einem noch demütigeren und ärmeren Leben und wurde in Nazareth Hausdiener bei den Klarissen, wo er einfache Arbeiten verrichtete, aber auch viel Zeit zu Gebet und Betrachtung hatte.
Anfänglich entschlossen, einfacher Bruder zu bleiben, will er aus Liebe zur hl. Eucharistie doch Priester werden, wird 1901 in Frankreich geweiht und geht danach nach Beni Abbès in Algerien. Er wirkt segensreich unter den dort stationierten Soldaten und den Moslems und versucht, allen, besonders den Armen, ein Bruder zu sein. Armut, Arbeit und Anbetung des Herrn im Altarssakrament sind auch hier die bleibenden Elemente seines Lebens und werden es bis zum Ende sein.
1903 fasst er einen "Plan für die Missionierung Marokkos", des Landes ohne Priester "um Marokko mit der Frohen Botschaft zu durchdringen", lernt die Sprache der Tuareg und beginnt ein Wörterbuch zu verfassen. 1905 bricht er zum ersten Mal zu den Tuareg im Hoggar-Gebirge auf. Mit Unterbrechungen wird er bis zu seinem gewaltsamen Tod unter ihnen leben: "Mit allen Kräften versuche ich, diesen armen verirrten Brüdern zu beweisen, dass unsere Religion ganz Liebe, ganz Brüderlichkeit, dass ihr Sinnbild ein HERZ ist". Mit seinem Leben unter den Tuareg will er Zeugnis ablegen, "um die Tuareg und die übrigen Einheimischen dem Christetum zuzuführen, Gott weiß wann, vielleicht in Jahrhunderten." Er weiß, dass alles, was er tut, nur vorbereitend sein kann.
Am 1. Dezember 1916, einem Herz-Jesu-Freitag, wird Charles de Foucauld von plündernden Tuareg, wohl versehentlich, erschossen. Arm und unspektakulär, wie er immer sein wollte, war auch sein Tod; fast voraussschauend hatte er oft in seinen Briefen zitiert: "Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht" (Joh 12,24).
Foucauld konnte seine Ideen zu einer neuen Ordensgemeinschaft, die er Laufe der Zeit entwickelt hatte, selbst nicht mehr verwirklichen; sie wurden 1933 von René Voillaume (1905-2003) umgesetzt durch die Gründung der Gemeinschaft der "Kleinen Brüder Jesu". Er war auf Charles de Foucauld durch die 1920 erschienene, von René Bazin verfasste Biografie aufmerksam geworden. 1939 folgte durch Magdeleine Hutin (1898-1989) die Gründung der Gemeinschaft der "Kleinen Schwestern Jesu". Beide Gemeinschaften teilen jeweils das soziale Milieu ihrer Umgebung, ihre Mitglieder gehen einer weltlichen Berufstätigkeit nach. Auf der Spiritualität von Charles beruhen auch einige Laiengemeinschaften und eine Priestergemeinschaft.
Bei Charles de Foucaulds Seligsprechung am 13. November 2005 durch Papst Benedik XVI. nahmen auch Vertreter der Tuareg teil.
Nach Jean-François Six, Charles de Foucauld, Verlag Neue Stadt (München), 2.Aufl. 1991, sowie Lexikon der Heiligen und Namenstage, hg. von Albert Urban, Herder (Freiburg) 2010
Mein Vater, ich überlasse mich dir;
mach mit mir, was dir gefällt.
Was du auch mit mir tun magst, ich danke dir.
Zu allem bin ich bereit, alles nehme ich an.
Wenn nur dein Wille sich an mir erfüllt
und an allen deinen Geschöpfen,
so ersehne ich weiter nichts, mein Gott.
In deine Hände lege ich meine Seele.
Ich gebe sie dir, mein Gott,
mit der ganzen Liebe meines Herzens,
weil ich dich liebe
und weil diese Liebe mich treibt,
mich dir hinzugeben,
mich in deine Hände zu legen ohne Maß,
mit einem grenzenlosen Vertrauen.
Denn du bist mein Vater.
(Gebet von Charles de Foucauld)

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Mein Vater, ich überlasse mich dir;
mach mit mir, was dir gefällt.
Was du auch mit mir tun magst, ich danke dir.
Zu allem bin ich bereit, alles nehme ich an.
Wenn nur dein Wille sich an mir erfüllt
und an allen deinen Geschöpfen,
so ersehne ich weiter nichts, mein Gott.
In deine Hände lege ich meine Seele.
Ich gebe sie dir, mein Gott,
mit der ganzen Liebe meines Herzens,
weil ich dich liebe
und weil diese Liebe mich treibt,
mich dir hinzugeben,
mich in deine Hände zu legen ohne Maß,
mit einem grenzenlosen Vertrauen.
Denn du bist mein Vater.
(Gebet von Charles de Foucauld)

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Sel. Charles de Foucauld (1858-1916), Eremit und Missionar in der Sahara
Geh nach Hause, und berichte deiner Familie alles, was der Herr für dich getan hat
Wenn wir Jesus nachfolgen wollen, dürfen wir uns nicht wundern, wenn er es uns nicht sogleich erlaubt; selbst dann nicht, wenn er es uns niemals erlaubt [...] Tatsächlich reicht sein Blick weiter als unser Blick: er will nicht allein unser Wohl, sondern das Wohl aller [...]
An seinem Leben teilzunehmen, zusammen mit den Aposteln und so wie sie, ist sicherlich ein Gut und eine Gnade, und wir müssen unentwegt uns bemühen, dieser Nachfolge mehr und mehr gerecht zu werden. Doch das ist eine nurmehr äußerliche Gnade; Gott kann uns, indem er uns innerlich mit Gnaden überhäuft, viel heiliger machen ohne diese vollkommene Nachahmung [...] als mit ihr. Er kann uns, wenn er in uns den Glauben, die Hoffnung und die Liebe vermehrt, viel vollkommener in der Welt oder in einem Orden mit leichten Regeln machen, als wenn wir in der Wüste oder in einem strengen Orden lebten [...] Wenn Gott uns nicht erlaubt, ihm zu folgen, dürfen wir uns nicht darüber wundern, uns erschrecken oder traurig werden, sondern müssen uns sagen, dass er uns behandelt wie den Besessenen von Gerasa und dass er dafür überaus weise und verborgene Gründe haben wird. Was es braucht, ist ihm zu gehorchen und uns seinem Willen zu übergeben. Und vielleicht [...] hat Jesus einige Monate oder Jahre später dem Besessenen von Gerasa erlaubt, sich den Apostel anzuschließen.
Versuchen wir doch, Schritt für Schritt in größtmöglicher Sorgfalt ihm nachzufolgen – und leben wir so vollkommen wie möglich in der Lebenssituation, in die Jesus uns gestellt hat und in der er uns haben möchte. Leben wir es, als wenn er selbst es leben würde, wenn der Wille seines Vaters ihn da hineinstellen würde, handeln wir in allem so, als würde er handeln, als würde sein Vater ihn dorthin stellen [...] Die wirkliche Vollkommenheit besteht darin, den Willen Gottes zu erfüllen.
Meditation 194 über die Evangelien

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Sel. Charles de Foucauld (1858-1916), Eremit und Missionar in der Sahara
„Vergib ihm“
Die Liebe besteht nicht darin, dass man Liebe fühlt, sondern dass man lieben will. Wenn man lieben will, liebt man; wenn man über alles lieben will, liebt man über alles. Sollte man einer Versuchung unterliegen, dann deshalb, weil die Liebe zu schwach ist, und nicht weil es sie nicht gäbe. Man muss weinen wie der hl. Petrus, bereuen wie der hl. Petrus [...] aber dann auch dreimal sagen wie er: „Ich liebe dich, ich liebe dich, du weißt, dass ich dich, trotz meiner Schwachheit und meiner Sünden, liebe“ (vgl. Joh 21,15f.).
Was nun die Liebe Jesu zu uns angeht, so hat er sie uns zur Genüge bewiesen, damit wir an sie glauben, ohne sie zu fühlen. Zu fühlen, dass wir ihn lieben und er uns – das wäre schon der Himmel: den Himmel gibt es – bis auf seltene Augenblicke als seltene Ausnahmen – hienieden nicht.
Erzählen wir uns doch oft die Geschichte der Gnaden, die uns Gott seit unserer Geburt erwiesen hat, und die Geschichte unserer Treulosigkeiten. Dabei werden wir Grund genug finden [...] uns fallen zu lassen in ein grenzenloses Vertrauen auf seine Liebe. Er liebt uns, weil er gut ist, nicht weil wir gut sind. Liebt nicht eine Mutter auch dann ihr Kind, wenn es vom rechten Weg abgekommen ist? Und wir werden Grund genug finden, einzutauchen in die Demut und in das Misstrauen uns gegenüber. Versuchen wir doch, uns ein wenig von unseren Sünden loszukaufen durch die Nächstenliebe, durch das Gute, das wir dem Nächsten tun. Die Liebe zum Nächsten, das Bemühen, anderen Gutes zu tun, ist ein ausgezeichnetes Hilfsmittel, wenn Versuchungen auf uns zukommen: aus der bloßen Verteidigung gehen wir über zum Gegenangriff.
Brief vom 15.07.1916

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Sel. Charles de Foucauld (1858-1916), Eremit und Missionar in der Sahara
„Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen“ (Mt 5,44)
„Sobald ihr euch dazu bekennt, meine Diener zu sein, müsst ihr mit Verfolgung rechnen. Ich wurde mein ganzes Leben lang verfolgt. Bei meiner Geburt will Herodes mich ermorden lassen; als ich gerade zu predigen begonnen habe, wollen meine Mitbürger mich töten; soeben ihren Händen entkommen, sehe ich mich den Fangstricken der Pharisäer und des Herodes Antipas ausgesetzt, die mich von Stadt zu Stadt verfolgen und mir während dreier Jahre täglich neue Fallen stellen, um mich umzubringen [...]“
„Man muss die Verfolgungen mit Freude annehmen, als kostbare Zeichen der Verbundenheit mit mir, als eine Nachahmung eures Vielgeliebten. Sie mit Ruhe ertragen, im Bewusstsein, dass ich es erlaube, wenn sie über euch kommen, und dass sie euch nur in dem Maß erreichen, das ich selbst zulasse, ohne dessen Erlaubnis nicht ein Haar eures Hauptes ausfallen kann. Sie annehmen [...] und alles willkommen heißen, was kommt, da alles, was geschieht, auf die eine oder andere Art zur Ehre Gottes geschieht. Sie mutig erleiden, indem ihr Gott eure Leiden darbringt als ein Brandopfer zu seiner Ehre [...] Sie erleiden, indem ihr für eure Verfolger betet, denn sie sind Gottes Kinder, und Gott will ihr Heil, während ich selbst mein Blut hingebe, um sie zu erlösen. Denn ich habe euch beispielhaft gezeigt, wie ihr beten sollt für alle Menschen, für unsere Verfolger und unsere Feinde.“
Meditation über das Lukasevangelium, 1898

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„Selig, die ihr jetzt weint“
Hoffen wir, hoffen wir alle, die wir weinen und Tränen der Unschuld vergießen; hoffen wir, wenn wir die Schmerzen unseres Lebens oder unserer Seele beweinen, denn sie dienen uns als Fegefeuer, Gott bedient sich ihrer… damit wir die Augen zu ihm erheben, uns reinigen, heiligen. Hoffen wir noch mehr, wenn wir die Schmerzen der Anderen beweinen; denn diese Art Liebe wird uns von Gott eingegeben, sie ist ihm wohlgefällig; noch stärker darf unsere Hoffnung werden, wenn wir über unsere Sünden weinen; denn diese Zerknirschung hat Gott selber in unsere Seele gelegt. Und noch stärker ist sie, wenn wir mit reinem Herzen die Sünden der Anderen beweinen; denn diese Liebe für die Ehre Gottes und die Heiligung der Seelen gibt uns Gott ein und ist große Gnade. Hoffen wir, wenn wir vor Sehnsucht danach weinen, Gott zu sehen und vor Schmerz, von ihm getrennt zu sein; denn diese sehnsüchtige Liebe ist das Werk Gottes in uns. Hoffen wir noch mehr, wenn wir nur deshalb weinen, weil wir lieben, ohne etwas zu wollen oder zu fürchten, ganz und ausschließlich hingegeben an den Willen Gottes, voll Freude über seine Herrlichkeit, voll Schmerz über seine vergangenen Leiden; wenn wir weinen, weil wir beim Gedanken an seine Passion mit ihm leiden, oder weinen aus Freude über seine Himmelfahrt und seine Glorie, oder einfach aus Rührung darüber, dass wir unsterblich in ihn verliebt sind. O süßer Jesus, gib, dass ich aus all diesen Gründen weine. Lass mich alle Tränen weinen, die die Liebe zu dir, die Liebe durch dich und die Liebe für dich vergießt. Amen.
Meditation zu den Passagen in den hl. Evangelien, die von fünfzehn Tugenden handeln, Nazareth 1897-98; Nr. 15

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Sel. Charles de Foucauld (1858-1916), Eremit und Missionar in der Sahara
Meditationen zum Evangelium 263
Sie haben von ihrem Überfluss gegeben [...], aber sie hat alles gegeben, was sie besaß
Verachten wir die Armen nicht, die Kleinen [...]; sie sind nicht nur unsere Brüder in Gott, sondern sie sind diejenigen, die Jesus in seinem Außenleben am vollkommensten nachahmen. Für uns verkörpern sie Jesus, den Handwerker aus Nazaret, am vollkommensten. Unter den Erwählten gehören sie zu den Älteren, und an der Krippe des Retters sind sie die Erstgerufenen. Von Jesu Geburt bis zu seinem Tod waren sie seine vertrauten Begleiter, Maria, Josef und die Apostel waren unter ihnen [...] Anstatt sie zu verachten, wollen wir die Kleinen ehren als Abbilder Jesu und seiner heiligen Eltern; anstatt sie gering zu schätzen, wollen wir sie bewundern... Folgen wir ihrem Beispiel! Wenn wir schon einsehen, dass ihre Lebensform die bessere ist – eine Lebensform, die Jesus für sich und die Seinen gewählt hat, die er als erste um seine Krippe herum vertreten wissen wollte, für die er in Wort und Tat eingetreten ist – so machen wir sie doch zu der unsrigen! [...] Lasst uns arme Arbeiter sein wie er, wie Maria und Josef, wie die Apostel und die Hirten. Und sollte er uns jemals ins Apostolat rufen, dann wollen wir dort so arm sein wie er es immer war, so arm wie ein hl. Paulus, der „Christus zum Vorbild genommen hat“ (vgl. 1 Kor 11,1).
Lasst uns in allem stets Arme sein, Brüder der Armen, Wegbegleiter der Armen. Wie Jesus wollen wir die Ärmsten der Armen sein und, wie er, die Armen lieben und sie um uns haben.

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Sel. Charles de Foucauld (1858-1916), Eremit und Missionar in der Sahara
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Der Menschensohn hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann
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O Jesus, mein Herr, diese göttliche Armut, die dein ist! Du musst sie mich lehren! Du hast sie so sehr geliebt! [...] In deinem irdischen Leben hast du sie zu deiner treuen Begleiterin gemacht. Du hast sie deinen Heiligen als Erbe hinterlassen, all denen, die dir folgen wollen, all denen, die deine Jünger sein wollen. Dein ganzes Leben lang hast du sie beispielhaft gelehrt. Du hast sie durch dein Wort verherrlicht, seliggepriesen, als notwendig verkündet. Du hast dir arme Arbeiter zu Eltern erwählt; du bist in einer Grotte geboren, die als Stall diente; als Kind hast du gearbeitet, warst arm. Hirten sind deine ersten Anbeter. Bei deiner Darstellung im Tempel hat man die Gabe der Armen dargebracht. Du hast dreißig Jahre lang als armer Handwerker gelebt, in diesem Nazareth, auf dessen Boden den Fuß zu setzen ich das Glück habe […] Mist einzusammeln.
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Später, in deinem öffentlichen Leben, hast du von Almosen gelebt, in der Gesellschaft von armen Fischern, die du zu deinen Kameraden gemacht hast. Du hattest keinen Stein, auf den du dein Haupt hättest hinlegen können. Auf dem Kalvarienberg hat man dir die Kleider, deinen einzigen Besitz, vom Leib gerissen, und die Soldaten haben darum das Los geworfen. Du bist nackt gestorben, du bist von Mildtätigen begraben worden, von Freunden. „Selig, die arm sind vor Gott“ (Mt 5,3).
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Jesus, mein Herr, wie schnell doch einer arm wird, wenn er dich von ganzem Herzen liebt und wenn er nicht erträgt, reicher zu sein als der, den er liebt!
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Rückzug nach Nazareth

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Sel. Charles de Foucauld (1858-1916), Eremit und Missionar in der Sahara
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„Er sendet sie erstmals aus“
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Wodurch wird jemand Apostel? Durch Menschen, derer sich Gott bedient: Priester haben ihre Oberen, die ihnen sagen, was zu tun ist. Laien sollen all denen Apostel sein, die sie erreichen können: Verwandten also und Freunden, aber nicht nur ihnen. Liebe hat nichts Enges an sich, sie umfängt alle, die das Herz Jesu umfängt.
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Wodurch also? Durch Menschen, die für diejenigen, an die sie sich wenden, die Besten sind: bei allen, mit denen sie Umgang haben, ausschließlich durch Güte, Zartgefühl, brüderliche Zuneigung und vorbildliche Tugendhaftigkeit, durch Demut und Sanftheit, Tugenden, die immer anziehend wirken und echt christlich sind.
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Bei einigen, ohne mit ihnen jemals auch nur ein Wort über Gott oder die Religion zu sprechen. Man muss sich gedulden, wie Gott sich geduldet, gut sein wie Gott gut ist, ein liebevoller Bruder sein und beten. Bei Anderen wieder spreche man über Gott so, wie sie es gerade ertragen können; sobald sie sich auf ihrer Suche nach der Wahrheit mit Religion befassen, bringe man sie in Kontakt mit einem sorgfältig ausgewählten Priester, der in der Lage ist, ihnen weiterzuhelfen. Das Wichtigste ist, in jedem Menschen den Bruder zu sehen.
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Brief an Joseph Hours, 3. Mai 1912

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Mein Vater, ich überlasse mich dir;
mach mit mir, was dir gefällt.
Was du auch mit mir tun magst, ich danke dir.
Zu allem bin ich bereit, alles nehme ich an.
Wenn nur dein Wille sich an mir erfüllt
und an allen deinen Geschöpfen,
so ersehne ich weiter nichts, mein Gott.
In deine Hände lege ich meine Seele.
Ich gebe sie dir, mein Gott,
mit der ganzen Liebe meines Herzens,
weil ich dich liebe
und weil diese Liebe mich treibt,
mich dir hinzugeben,
mich in deine Hände zu legen ohne Maß,
mit einem grenzenlosen Vertrauen.
Denn du bist mein Vater.
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(Gebet von Charles de Foucauld)

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Sel. Charles de Foucauld
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„Selig, die ihr jetzt weint“
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Hoffen wir, hoffen wir alle, die wir weinen und Tränen der Unschuld vergießen; hoffen wir, wenn wir die Schmerzen unseres Lebens oder unserer Seele beweinen, denn sie dienen uns als Fegefeuer, Gott bedient sich ihrer… damit wir die Augen zu ihm erheben, uns reinigen, heiligen. Hoffen wir noch mehr, wenn wir die Schmerzen der Anderen beweinen; denn diese Art Liebe wird uns von Gott eingegeben, sie ist ihm wohlgefällig; noch stärker darf unsere Hoffnung werden, wenn wir über unsere Sünden weinen; denn diese Zerknirschung hat Gott selber in unsere Seele gelegt. Und noch stärker ist sie, wenn wir mit reinem Herzen die Sünden der Anderen beweinen; denn diese Liebe für die Ehre Gottes und die Heiligung der Seelen gibt uns Gott ein und ist große Gnade. Hoffen wir, wenn wir vor Sehnsucht danach weinen, Gott zu sehen und vor Schmerz, von ihm getrennt zu sein; denn diese sehnsüchtige Liebe ist das Werk Gottes in uns. Hoffen wir noch mehr, wenn wir nur deshalb weinen, weil wir lieben, ohne etwas zu wollen oder zu fürchten, ganz und ausschließlich hingegeben an den Willen Gottes, voll Freude über seine Herrlichkeit, voll Schmerz über seine vergangenen Leiden; wenn wir weinen, weil wir beim Gedanken an seine Passion mit ihm leiden, oder weinen aus Freude über seine Himmelfahrt und seine Glorie, oder einfach aus Rührung darüber, dass wir unsterblich in ihn verliebt sind. O süßer Jesus, gib, dass ich aus all diesen Gründen weine. Lass mich alle Tränen weinen, die die Liebe zu dir, die Liebe durch dich und die Liebe für dich vergießt. Amen.
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Meditation zu den Passagen in den hl. Evangelien, die von fünfzehn Tugenden handeln, Nazareth 1897-98; Nr. 15

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Sel. Charles de Foucauld
Auf der Suche nach dem verlorenen Schaf
Ich entfernte mich, ich entfernte mich mehr und mehr von dir, mein Herr und mein Leben, und auch mein Leben begann ein Tod zu sein, oder vielmehr war es schon ein Tod in deinen Augen. Und in diesem Zustand des Todes erhieltest du mich... Aller Glaube war verschwunden, intakt geblieben waren freilich Ehrfurcht und Wertschätzung. Du erwiesest mir andere Gnaden, mein Gott, du erhieltest mir die Neigung zu studieren, die Vorliebe für ernste Literatur, das Gefallen an schönen Dingen, den Ekel vor Liederlichkeit und Hässlichkeit. Ich tat Böses, aber ich hieß es nie gut und mochte es auch nicht ... Du schenktest mir jene unbestimmte Unruhe eines schlechten Gewissens, das, mag es auch eingeschläfert sein, so doch nicht ganz tot ist.
Ich habe diese Traurigkeit, dieses Unbehagen, diese Unruhe niemals so gespürt wie damals. Mein Gott, das war doch ein Geschenk von dir! Wie wenig Ahnung hatte ich doch davon! Wie gut bist du! Und zur selben Zeit, da du meine Seele durch das Eingreifen deiner Liebe daran hindertest, sich ganz zu verlieren, bewachtest du meinen Leib: denn wäre ich damals gestorben, wäre ich in der Hölle gewesen ... Diese so großen und zahlreichen Gefahren auf meinen Reisen, denen du mich wunderbar entkommen ließest! Diese unerschütterliche Gesundheit an höchst ungesunden Orten, trotz so großer Strapazen! O mein Gott, wie hieltest du deine Hand über mir, und wie wenig spürte ich sie! Wie hast du mich behütet! Wie bargst du mich unter deinen Flügeln, als ich noch nicht mal an deine Existenz glaubte! Und während du so auf mich aufpasstest, verging die Zeit, und du trafst die Entscheidung, dass der Augenblick nahte, wo du mich in den Schoß der Kirche zurückkehren ließest.
Gegen meinen Willen hast du die schlechten Verbindungen gelöst, die mich von dir ferngehalten hätten; du hast sogar alle guten Bande gelöst, die mich daran gehindert hätten, eines Tages ganz dir zu gehören ... Deine Hand allein hat dies begonnen, fortgeführt und zu Ende gebracht. Wie gut du bist! Das war notwendig, um meine Seele auf die Wahrheit vorzubereiten. Zu sehr beherrscht der Teufel eine Seele, die nicht rein genug ist, um die Wahrheit bei sich eintreten zu lassen; du konntest, mein Gott, nicht in meine Seele kommen, in der der Dämon schmutziger Leidenschaften die Herrschaft innehatte. Du wolltest in meine Seele eintreten, du guter Hirte, und hast selber deinen Feind daraus vertrieben.
Rückzug nach Nazaret, Nov. 1897

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Sel. Charles de Foucauld
Alles geben, um alles zu empfangen
Nein, Gott hat das Heil nicht abhängig gemacht von Wissen, Intelligenz, Reichtum, langer Lebenserfahrung – Gaben, die in ihrer Seltenheit nicht allen zuteil werden. Er hat das Heil abhängig gemacht von dem, was allen, absolut allen, in die Hand gelegt ist: Jungen und Alten, Menschen jeden Alters und jeder gesellschaftlichen Herkunft, jeden Grades von Intelligenz und Vermögen. Er hat es gebunden an das, was alle, ausnahmslos alle, ihm geben können, was jeder mit ein bisschen gutem Willen ihm geben kann. Ein wenig guter Wille – mehr ist nicht nötig, um sich den Himmel zu verdienen, was für Jesus verbunden ist mit Demut, mit der Fähigkeit sich klein zu machen, mit der Hintanstellung der eigenen Person, mit Gehorsam, an anderer Stelle auch mit der Armut im Geiste, der Reinheit des Herzens, der Gerechtigkeitsliebe, des Friedenswillens etc. (Mt 5,3f). Darum lasst uns Hoffnung schöpfen; denn durch die Barmherzigkeit Gottes ist uns das Heil so nahe; es ist in unsere Hände gelegt, und ein wenig guter Wille genügt, es zu erlangen.
Meditationen über die Perikopen in den heiligen Evangelien, in denen von fünfzehn Tugenden die Rede ist, Nr. 69, Nazaret, 1897-98