Predigt von Pfarrer Maximilian Pühringer zum heutigen Fest der Darstellung des Herrn. 2.2.2026

Predigt Darstellung des Herrn - Lichtmess, 2.2.2026
Perikopen: Mal 3,1-4 Lk 2,22-40
Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!
Viele Details stecken im heutigen Festtagsevangelium. Wir wollen heute einmal auf Simeon und Hanna schauen, diese alten Menschen, die am Ende ihres Lebens zur Begegnung ihres Lebens geführt werden. Ein Satz von Silja Walter, einer Dichterin und Ordensfrau scheint mir dafür sehr geeignet. Er lautet: „Jemand muss zuhause sein, Herr, wenn du kommst, jemand muss dich erwarten…, jemand muss nach dir Ausschau halten. Wer weiß, wann du kommst?“ Drei Gedanken dazu. Erstens: „Jemand muss zuhause sein.“ Ja, Simeon und Hanna hatten im Tempel ein Stück weit Heimat gefunden, Glaubensheimat. Sie waren sehr viel dort, von Hanna heißt es sogar, dass sie Tag und Nacht dort war um Gott zu dienen. Für die beiden war es normal dort zu sein, und dort, wo man normal lebt und glaubt, da findet man ein Zuhause. So waren beide im Geheimnis Gottes daheim und genau das ist es, dass wir in Gott leben. „Qui credidt vivit – wer glaubt lebt,“ war der Wahlspruch unseres Abt em. Martin. Im Geheimnis Gottes daheimzusein ermöglicht ein Leben in Sinn, es schenkt uns ein Guthaben, das niemals aufgezehrt ist und auch nicht an Wert verliert. Die Gottesaktien, die Glaubensanleihen verlieren niemals ihren Wert. Es ist das größte Guthaben in Gott daheim zu sein. Das waren Simeon und Hanna, deshalb waren sie bereit für den Messias. Und so ist es wichtig, dass auch wir ganz einfach daheim sind. Denken wir hier an das bekannte Wort von Karl Valentin: „Heute am Abend bekomme ich Besuch, mal schauen, ob ich daheim bin.“
Zweitens: „Jemand muss dich erwarten.“ Erwartung. Das hat Simeon und Hanna ausgemacht. Sie haben gewartet und erwartet. Und das nicht nur ein paar Stunden oder Tage, sondern ihr ganzes Leben lang. Sie haben gespürt, da kommt noch etwas, oder das Beste kommt erst. Sie haben gewartet auf die Begegnung ihres Lebens. Und jetzt werden sie zu dieser Begegnung geführt. Im Evangelium sehen wir die minutiöse Zeitplanung des Heiligen Geistes. Gerade in dem Augenblick, als die Eltern das Kind hereinbrachten, wird Simeon vom Geist Gottes in den Tempel geführt. Und jetzt kommt das Entscheidende ihres Lebens, die Begegnung mit Gott in diesem Kind. Wir leben in einer Zeit, die sich schwer tut mit dem Warten. Wir sind gewohnt immer alles gleich haben zu können und haben zu wollen. Wir sind das Warten nicht gewöhnt, weil wir eher gleich selber Hand anlegen. Und trotzdem ist es wichtig wie Simeon und Hanna auf die Erlösung zu warten bis zum Ende. Menschen in der Mitte des Lebens stellen sich die Frage, was denn noch groß kommen kann. Wir finden uns in einem Lebensnetz wieder, in dem die meisten Verbindungen fest verknüpft sind. Lebensnetze halten, aber sie können auch einengen.
Alles ist relativ – alles ist bezogen und verbunden. Es gibt kein Entrinnen, wir sind immer gesehen. Eine Vorstellung, die eher verunsichert. Aber: wir sind auch geborgen in allem, was ist. Es stellt sich dann auch die Frage, ob wir es wagen, aus dem „Bestehenden“ auszusteigen und uns im Glauben in eine andere Dimension vorwagen. Menschen, die glauben, gelten als widerstandsfähiger. Sie können Lebenskrisen besser bestehen, weil sie ihre Seele verankert haben. Weltliche Lebensversicherungen sind immer endlich und begrenzt. Der Ausstieg aus dem vermeintlich „Wirklichen“ hin zu einem größeren Netzwerk kann das Leben erleichtern. Erlösung ist dieses Loslassen auf etwas Größeres hin. Es ist eine lebenslange Übung. Viele kleine Schritte und Übungen reichern das Vertrauen an, dass hinter allem etwas wartet, auf das hin wir loslassen dürfen. Menschsein ist nicht Zufall, sondern Gewolltsein. Wer sich das im wahrsten Sinn des Wortes „erlebt“, der gestaltet sein Leben als Wartender. Dabei ist das Ziel des Lebens nicht etwa ein immer enger werdender Tunnel, sondern die Erfahrung von Größe und einer Weite, die das Materielle nicht leisten kann. Leben ist Übung. Warten in seinen verschiedenen Dimensionen ist keine Zeitverschwendung, sondern Übung, ins Wesentliche zu kommen. Dieses Warten haben uns Simeon und Hanna quasi vorgeübt. Drittens: „Jemand muss nach dir Ausschau halten.“ Ausschau halten ist die Haltung, dass ich ganz sicher mit jemanden rechne in meinem Leben. Ausschau halten nach Gott bedeutet, dass ich mit Gott rechne in meinem Leben. Mit Gott die große Rechnung, aber auch die kleinen Rechnungen meines Lebens machen, genau das ist es. „Dann kommt plötzlich zu seinem Tempel der Herrn, den ihr sucht, und der Bote des Bundes, den ihr herbeiwünscht. Seht er kommt.“ Vielleicht haben Simeon und Hanna diese Wortes Maleachis, die wir in der Lesung gehört haben, gekannt. Vielleicht waren sie für die beiden Ansporn und Motivation zum Ausschauhalten. Jedenfalls hat sich das Ausschauhalten gelohnt. Er ist gekommen, ganz anders als erwartet. Maria legt ihn in die Arme Simeons und er gibt ihn dann seiner Mutter zurück. Jesus Geben und Zurückgeben, das ist ein Christusteam zu dem man unbedingt dazugehören sollte. Freilich, damit das gelingt, müssen wir weiterhin noch Ausschauhalten, viel Ausschauhalten nach ihm. Aber wir haben die Zuversicht und Gewissheit: Er kommt, Gott ist immer im Kommen.
„Jemand muss zuhause sein, Herr, wenn du kommst, jemand muss dich erwarten,…, jemand muss nach dir Ausschau halten. Wer weiß, wann du kommst?“ Das haben Simeon und Hanna getan. So wurden sie zur Begegnung ihres Lebens geführt. Wir dürfen in diesem Sinne weitertun: Zuhause sein, Warten, Ausschau halten. Das ist der Dreiklang, der zur Begegnung des Lebens führt. Amen
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