Gibt es ein Geschlecht und wenn ja, wie viele? Unlängst erschien ein Buch zur Gender-Thematik, die sich vom übrigen Verlagsprogramm Herders abhebt: Abigail Favale: „Die geleugnete Natur. Warum die Gender-Theorie in die Irre führt“ (Herder 2024). Der englische Originaltitel nimmt sich weniger streitbar aus: „The Genesis of Gender. A Christian Theory“ (Ignatius Press 2022). Wer ist die Autorin? Abigail Favale ist Professorin für Practice, Theology und Literature an der renommierten katholischen Universität Notre Dame (Indiana/USA). Mit „The Genesis of Gender“ legt sie eine couragierte Analyse und Kritik des Gender-Diskurses aus der Perspektive christlicher Anthropologie vor. Favale weiß, wovon sie spricht: Gender-Studies gehören zum Bereich ihrer fachlichen Spezialisation und langjährigen Lehrtätigkeit. „The Genesis of Gender“ ist dabei mehr als ein trockenes Sachbuch. Die vorangestellte Schilderung ihrer Reise vom postmodernen Feminismus zur katholischen Theologie verleiht dem Buch …
Eine andere Abigail mit guten Büchern: Abigail Shrier hat zwei der wichtigsten Bücher unserer Generation geschrieben: „Irreversible Damage: The Transgender Craze Seducing Our Daughters” (Unumkehrbarer Schaden: Der Transgender-Wahn, der unsere Töchter verführt) und „Bad Therapy: Why the Kids Aren’t Growing Up” (Schlechte Therapie: Warum die Kinder nicht erwachsen werden).
„Die Geschlechterdifferenz ist kein Missgeschick, sondern ein Grund zum Feiern und Staunen. Dieser Unterschied ist gut, unser Leib ist gut, und all dies ist ein integraler Bestandteil der Schöpfungsordnung, die gut ist. Das Hervortreten von Mann und Frau […] ist keine Fußnote in der Ursprungsgeschichte: Es ist ihr ekstatischer Höhepunkt“ (S. 46).
Da mußte ich doch wirklich schmunzeln: "Gibt es ein(sic!) Geschlecht und wenn ja, wie viele?" Da täte mein alter Mathelehrer sagen: "Da ist die Antwort doch schon in der Frage gegeben!"
Ecclesia in Germania quo vadis? Der Handlungstext „Umgang mit geschlechtlicher Vielfalt“ (2023) des Synodalen Wegs der Kirche in Deutschland lehnt das binäre Geschlechtsmodell im offenen Widerspruch zum kirchlichen Lehramt, aber auch zu maßgeblichen Stimmen in der Biologie und Geschlechterforschung als unzureichend ab. Stattdessen fordern die Synodalen, die Kirche solle geschlechtliche Vielfalt als Teil der Schöpfung anerkennen.
"Favale konstatiert eine tiefe Ironie: Die Gender-Bewegung ist ein Enkelkind des Feminismus, verwischt schließlich aber, wofür dieser stand: soziale Gerechtigkeit für Frauen. Und: Der Feminismus war angetreten, um Geschlechtsstereotype zu überwinden. Nun aber wird das soziale Geschlecht (gender) vom biologischen Geschlecht (sex) und damit vom Körper abgekoppelt und „durch genau die kulturellen Stereotype definiert, die der Feminismus aufzugeben angetreten war“ (S. 170)."
Abigail Favales Buch: Sie verteidigt ein biologisch-binäres Geschlechtsverständnis (Fortpflanzung/Gameten), kritisiert Gender-Selbstidentifikation als zirkulär und versteht Intersex als seltene Variation innerhalb zweier Geschlechter.